Ressourcenschonung

Kein einzelner Mensch kann die ganze Welt retten. Aber er kann Tag für Tag dazu beitragen, behutsam(er) mit seiner Umwelt umzugehen. Wir alle sind gefordert. Immer mehr Unternehmen – und auch Kommunen – erkennen die Zeichen der Zeit und übernehmen Verantwortung: Das Potenzial ist enorm, durch ökologisch nachhaltige Maßnahmen die Umwelt zu schützen und gleichzeitig (für kommende Generationen) zu gestalten. Die Möglichkeiten, im Kleinen wie im Großen etwas für die Ressourcenschonung zu leisten, sind bedeutsam und müssen nicht immer erst vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden. Vor allem aber schließen sich Ökonomie und Ökologie nicht aus. 

Energieeffizientes Leben fängt in den eigenen vier Wänden an und zeigt in Firmen messbare Wirkung. Ist das Vorhaben zur Ressourcenschonung erst einmal in der Belegschaft verankert, entwickelt es oft eine Eigendynamik und beachtliche Motivation bei den Mitarbeitern, sich aktiv daran zu beteiligen. Beschreibt oder bedruckt ein einzelner Mitarbeiter sein Blatt Papier beidseitig, ist das ein Anfang. Folgen ihm seine hundert oder tausend Kollegen, spart das gleich tonnenweise Material. Und das muss weder Verzicht noch Verlust von Lebensqualität bedeuten. Im Gegenteil. Was können wir sofort tun, um unsere Umwelt schonender zu behandeln?

Saarbrücken

Gelebte Nachhaltigkeit

Die Sparkasse Saarbrücken ist eines von nur elf Kreditinstituten bundesweit und das erste im Saarland, das Umweltmanagement nach dem höchsten europäischen Standard betreibt, der EMAS-Zertifizierung. Ziel des Programms ist es, den betrieblichen Umweltschutz zu verbessern und die vom Unternehmen generierten Umweltauswirkungen freiwillig, eigenverantwortlich und kontinuierlich zu reduzieren. Eine Bestandsaufnahme.

Experte für Nachhaltigkeit: der Umweltmanagementbeauftragte Sven Hüther.

Nachhaltigkeit – kaum ein Begriff wird derzeit so inflationär gebraucht. Doch viele, die das Wort unermüdlich im Munde führen, wissen gar nicht, was der Begriff per Definition beinhaltet. Er umfasst nämlich nicht nur konsequente Ressourcenschonung, sondern auch die Aspekte Wirtschaft und soziale Verantwortung. „Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen haben wir im Vorstand unsere strategische Ausrichtung um den Aspekt der Nachhaltigkeit erweitert und in der Unternehmensstruktur fest implementiert“, sagt Vorstandsvorsitzender Hans-Werner Sander. So fest, dass die größte Sparkasse des Saarlandes die Vollzeitposition eines Umweltmanagementbeauftragten (UMB) geschaffen hat und als erstes saarländisches Kreditinstitut seine Hauptstelle am Neumarkt nach der EMAS-Verordnung zertifizieren ließ. Bundesweit tragen erst elf Finanzdienstleister dieses offizielle EU-Gütesiegel. 

Die Ist-Analyse

EMAS steht für „Eco-Management and Audit Scheme“ und ist ein komplexes nachhaltiges Umweltmanagementsystem, das vom Europäischen Parlament eingeführt wurde. Es ist das systematischste Verfahren, das man sich im Bereich betrieblicher Umweltschutz vorstellen kann. Dieses umfasst eine gründliche ökologische Bestandsaufnahme und Bewertung der Umweltsituation und -auswirkungen eines Unternehmens. Auf dieser Basis wird die Umweltleistung freiwillig kontinuierlich verbessert. Über ihre selbst gesteckten Ziele und deren Umsetzung berichten EMAS-Teilnehmer jährlich in ihrer öffentlich publizierten EMAS-Umwelterklärung. Sie wird von einem staatlich beaufsichtigten, unabhängigen Gutachter validiert.

Intensive Vorarbeit

Gemessen an der Kundenzahl ist die Sparkasse Saarbrücken das mit Abstand größte Kreditinstitut der Region. Mit einer Bilanzsumme von mehr als 6,3 Milliarden Euro, rund 1.300 Mitarbeitern, 150.000 Privatgirokonten und mehr als 16.000 Geschäftskonten ist sie zudem der führende Finanzdienstleister in der Region. Ihr gesellschaftliches Engagement hat schon immer in vielfältiger Weise soziale und kulturelle Projekte begleitet, beziehungsweise erst ermöglicht. Im Jahr 2011 beschäftigte sich dann – auf Initiative von Uwe Kuntz, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Saarbrücken – der Gesamtvorstand strategisch mit dem Thema Nachhaltigkeit und dessen Umsetzung.

Neben einer ersten Nachhaltigkeitsstrategie für die Sparkasse und der Installation eines Nachhaltigkeitsausschusses wurden sieben Handlungsfelder für die Sparkasse in einem strategischen Bebauungsplan erfasst. Dazu wurde der Experte Sven Hüther engagiert. Nach eineinhalb Jahren fiel die Entscheidung zur EMAS-Zertifizierung, das Büro Nachhaltigkeit wurde geschaffen und Sven Hüther im Oktober 2012 zum UMB ernannt. Ein Projektteam aus Vertretern der Bauorganisation, Arbeitsschutz und Verwaltung bereitete die erste bedeutsame Umweltbetriebsprüfung vor, die erfolgreich verlief. Am 13. Dezember 2013 erhielt die Sparkasse dann das EMAS-Zertifikat.

„Der Gutachter hat zwei Tage lang wirklich alles vom Keller bis zum Dach unter die ökologische Lupe genommen“, so Sven Hüther. Der Fachmann kontrollierte nicht nur sämtliche Verbrauchswerte. Selbst die Fahrtenbücher der Dienstwagenflotte und alle Gerätschaften der Haus- und Gebäudetechnik wurden gesichtet. Traf der Prüfer auf seinem Weg einen Mitarbeiter, fragte er, ob der die Umweltpolitik seines Arbeitgebers kenne. Denn ein wichtiger Baustein des Konzepts ist die Sensibilisierung und Unterstützung der Belegschaft.

Umweltmanagement als Unternehmensstrategie: Sven Hüther, Adrian Sachs und Robert Seiler (v. l.) studieren den Raumplan der Sparkasse.

Die Zähltafel in der Geschäftsstelle Bildstock zeigt Leistung, Geamtertrag und CO2-Einsparung der Photovoltaikanlage und des Blockheizkraftwerks.

 H6 Umweltkennzahlen

Die Sparkassen-Finanzgruppe verpflichtet sich dem ressourcenschonenden Wirtschaften. Wir arbeiten an der Verkleinerung unseres ökologischen Fußabdrucks, dazu engagieren wir uns unter anderem auch im Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten e. V. Eine stetig wachsende Zahl von Instituten erstellt Umweltberichte und hat im eigenen Haus ein Umweltmanagementsystem etabliert. Die Berichterstattung dazu erfolgt derzeit auf lokaler Ebene.

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Ein System zur passgenauen Berichterstattung der Sparkassen-Finanzgruppe

Immer besser werden

Das eingeführte Umweltmanagement ist die Basis, auf der das Umweltprogramm entwickelt wurde. Darin sind Ziele und Maßnahmen festgelegt, was noch verbessert werden sollte, um Energie zu sparen und Ressourcen zu schonen. Das umfasst alle Bereiche eines Unternehmens, vom Einkauf für die Kantine oder Mülltrennung bis zur Qualität des Geschäftspapiers und – wie bei Sparkassen – ökologisch orientierte Anlageprodukte. Das alles wird jährlich bilanziert. Alle drei Jahre muss das Zertifikat durch Revalidierung des Gutachters erneuert werden. Neben der Stadtsparkasse München und den Sparkassen Frankfurt/Main und Kraichgau ist Saarbrücken die vierte zertifizierte Sparkasse in Deutschland. Wie umfassend sie bereits ihre Strategie umgesetzt hat, zeigen folgende Beispiele.

STROMQUELLE. 2009 wurde in der Hauptstelle ein Blockheizkraftwerk installiert, das im Jahr 2012 einen Wirkungsgrad von über 85 Prozent erreichte. Es produziert jährlich etwas mehr als 1.000.000 Kilowattstunden Strom zum Eigenverbrauch. Die Abwärme, die bei Stromerzeugung entsteht, wird mit Absorber-Kältemaschinen in Kälte umgewandelt und den Klimaanlagen zugeführt. In Monaten, in denen wenig bis keine Kälte benötigt wird, wird die Abwärme in den eigenen Heizkreislauf eingespeist.

WASSERWEG. Der Wasserverbrauch insgesamt konnte um 15,5 Prozent zum Vorjahr gesenkt werden. Unter anderem durch die Steuerungsoptimierung des Rückkühlwerks der Kälteanlagen.

LICHTSPIELE. Beleuchtungsanlagen sind mit dimmbaren LED-Langfeldleuchten und intelligenter Lichtsteuerung ausgestattet. Sie berücksichtigt das einfallende Außenlicht und passt die Lichtstärke oder die Beleuchtung den äußeren Verhältnissen an. Auch 20 Prozent der Büros sind schon auf intelligente Licht- und Klimasteuerung umgestellt, der Rest folgt.

PAPIERBERG. Der Papierverbrauch von 2010 wurde im Jahr 2013 um 12,9 Prozent gesenkt. Kopiergeräte sind standardmäßig auf Doppelseitendruck (Duplexdruck) eingestellt. Der Einsatz von Recyclingpapier ist in der Testphase.

SCHREIBWERKZEUG. Büromaterial wird bei Händlern aus der Region mit möglichst nachhaltigem Charakter gekauft, beispielsweise Aktenordner aus recyceltem Papier, die mit dem blauen Engel zertifiziert sind, und wiederbefüllbare Textmarker.

INFORMATION. Die Mitarbeiter werden durch interne Veröffentlichung der Ökobilanz, im Intranet und durch den neuen Newsletter Nachhaltigkeit über alle Vorhaben und Maßnahmen der Nachhaltigkeitsstrategie informiert und zur Mitarbeit motiviert. Ein Umweltmanagement-Handbuch sowie der strategische Bebauungsplan Nachhaltigkeit dienen als Leitfaden für die strategische Umsetzung.

FINANZPRODUKT. Investieren mit gutem Gewissen – diesem Trend möchten immer mehr Anleger folgen. Deshalb hat die Sparkasse Saarbrücken im Mai 2011 für die Kunden im Vermögensmanagement exklusiv das „Zukunftsportfolio Nachhaltigkeit“ entwickelt, einen Investmentfonds, der sein Vermögen in verschiedene Anlageklassen aufteilt und Renditechancen mit Nachhaltigkeit verknüpft.

ENERGIESPARBERATUNG. Im Oktober 2012 entstand das Joint Venture „Sparhaus Partner GmbH“ mit der Sparkasse Saarbrücken, der OBG Gruppe und der Sparkasse Neunkirchen zur energetischen Sanierung von Eigenheimen. Die Gesellschafter bündeln ihre Kompetenzen rund ums Bauen, Sanieren und Finanzieren.

MAHLZEIT. Beim Einkauf für das eigene Sparkassen-Casino wird großer Wert darauf gelegt, dass das Gros der Lebensmittel aus der Region stammt. Zudem werden – wenn möglich – Fair-Trade-Produkte eingekauft.

Durch die beschriebenen Maßnahmen werden schon jetzt jährlich circa 1.000 Tonnen CO2 eingespart. Dies entspricht dem jährlichen energiebedingten CO2-Ausstoß von 125 Zwei-Personen-Haushalten! Viele der Änderungen bedeuten natürlich anfangs zusätzliche Investitionen. „Das ist der Spagat“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Uwe Kuntz. „Alles muss wirtschaftlich vertretbar sein. Aber am Ende führt die Optimierung zu Einsparungen.“ Das nächste Projekt – „ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt in der strategischen Umsetzung“ – werde im Sommer der erste Nachhaltigkeitsbericht für die Sparkasse Saarbrücken sein.