Energiewende

Selbst Schulanfänger können heute Begriffe wie Klimawandel oder Umweltzerstörung fehlerfrei buchstabieren. Das Bewusstsein, dass die Ressourcen unserer Erde begrenzt sind und wir achtsam damit umgehen müssen, ist in der Gesellschaft angekommen. Nicht nur weil der Gesetzgeber deutliche Maßnahmen wie die C02-Reduzierung in der Automobilindustrie bei Neuwagen ergreift. Viele Menschen befürworten die politische Entscheidung zur Energiewende, weil die Nutzung der Atomenergie deutlich an Akzeptanz verloren hat. Der Einsatz alternativer Energien schreitet voran. Mittlerweile prägen Windkraftparks die deutsche Küstenlandschaft und auch das Binnenland, Photovoltaikmodule sind heute so selbstverständlich wie einst Dachziegel, Biogas ist ebenso im Kommen wie energieeffiziente Heizkraftwerke oder Gebäudesanierung.

Dennoch gibt es Nachholbedarf sowohl bei der technologischen Entwicklung und der dazu notwendigen Finanzierung als auch bei der Einsicht der Bevölkerung, warum Energieeffizienz so wichtig und richtig ist. Die Energiewende ist eine der größten gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen seit der Wiedervereinigung. Sie wird uns in den kommenden Jahrzehnten intensiv beschäftigen. Wobei der Einsatz regenerativer Energie die eine Seite ist. Die andere ist, Energie zu sparen. Schließlich geht es um die große Frage: Wie schaffen wir es, künftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen?

Heinsberg

Windenergie als Wirtschaftsfaktor

Die Sparkassen sind Motor der Energiewende. Sie lenken Kundengelder in regionale Umweltprojekte. Denn klimafreundliche Geldanlagen bieten die Chance auf Rendite mit gutem Gewissen, fördern eine ökologisch orientierte Zukunft und fließen in zukunftsträchtige Branchen. Dabei beziehen die Sparkassen Privatkunden, Unternehmen und Institutionen in die ökologische Entwicklung ihrer Region ein. Beispielhaft betreibt dies die Kreissparkasse Heinsberg: Über Umwelt-Sparkassenbriefe finanzierten die Bürger den Windpark Tripsrath mit. Eine Entstehungsgeschichte.

Treiber des Projekts Windpark Tripsrath: Kai Winkens, Guido Beckers und Thomas Pennartz (v. l.).

Seit November vergangenen Jahres drehen sich die riesigen Rotoren der drei Windkrafträder nonstop reibungslos. Das Trio löst bei vielen Autofahrern, die am Ende der A 46 auf die Bundesstraße 221 nach Geilenkirchen abbiegen, Glücksgefühle aus. Denn sie haben den kleinen Windpark Tripsrath über Umwelt-Sparkassenbriefe der Kreissparkasse Heinsberg mitfinanziert. Ein überzeugendes Beispiel, wie sich wirtschaftlicher Ertrag und erneuerbare Energien verbinden lassen.

Energieprojekte rechnen sich 

Sparkassen finanzieren häufig viele kleine Vorhaben mittelständischer Unternehmen, von Eigenheimbesitzern oder Gemeinden. Die Energiewende erfordert jedoch bei Firmen und Kommunen oft hohe Investitionen. Dies ist eine Chance für die Sparkassen, die nötigen Finanzmittel zu beschaffen. Zum Beispiel werden mit S-Energie-Sparbriefen die Kundengelder in regionale Umweltprojekte gelenkt. Gleichzeitig sind diese Wertpapiere eine rentable Geldanlage.

„Fortschrittlich zu denken, bedeutet, uns mit ökologischen Themen zu beschäftigen – im eigenen Haus und in unserer Region“, sagt Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg. „Trotz höherer Investitionskosten kann die bewusste Entscheidung für erneuerbare Energien erhebliche Ressourcen sparen.“ Grundsätzlich fließe das Geld der Sparkassenkunden vollständig in lokale Investitionen. „Dieses regionale Geschäftsmodell gibt Sicherheit und sollte auch Vorbild sein, wenn es um die Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise geht“, so Pennartz.

 

Ein Windpark entsteht

Doch wie funktioniert das bei einem Windenergiepark? In einem langwierigen Prozess, obwohl es in Tripsrath nur drei Jahre gedauert hat, im Durchschnitt sind es fünf. 2010 entschieden sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung sowie der Rat der Stadt Geilenkirchen, weitere Windkraftanlagen zu planen, da das flache Land im westlichen Nordrhein-Westfalen optimale Bedingungen bietet. Der Windpark Tripsrath ist ein Gemeinschaftsprojekt der Firma BMR Windenergie GmbH & Co. KG, des Energielieferanten NEW Re GmbH und der Kreissparkasse Heinsberg.

Neben dem Einholen aller bau- und immissionsrechtlichen Genehmigungen, wurden umfangreiche Recherchen und Planungen erarbeitet: „Die Baugrundverhältnisse werden geprüft, ebenso die Ertragssituation, wie viel Windertrag am Standort erwartet wird, die Infrastrukturkosten für die Einspeisung ins Stromnetz werden berechnet, außerdem sind intensive Artenschutz-Studien entscheidend“, listet Guido Beckers auf, Geschäftsführer der Firma BMR Windenergie, die seit ihrer Gründung 2000 bereits 135 Anlagen entwickelt hat. Dabei ist den örtlichen Behörden im Genehmigungsverfahren häufig auch die Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung wichtig.

Neue Finanzierungswege

Parallel zu den Genehmigungsverfahren geht es um die Finanzierung. Die drei Windräder kosteten elf Millionen Euro. „Wir wollten sie nicht nur finanzieren, sondern auch möglichst viele Bürger beteiligen und ihnen eine sichere Anlage mit attraktiver Rendite bieten“, so Thomas Pennartz. Außerdem steige so die Akzeptanz für Windräder, die nun einmal das Landschaftsbild verändern und Geräusche verursachen.

Die Kreissparkasse entschied sich für Umwelt-Sparkassenbriefe. „Wir tragen das volle Risiko“, erklärt Kai Winkens, Firmenkundenberater für erneuerbare Energien. Den Anlegern ist ihre Rendite garantiert – auch bei Windstille. Es gab zwei Varianten Umwelt-Sparkassenbriefe: fünf Jahre Laufzeit bei zweieinhalb Prozent Zinsen und zehn Jahre Laufzeit bei drei Prozent Zinsen für Anlagen zwischen 1.000 und 5.000 Euro. „224 Kunden haben 1,08 Millionen Euro gezeichnet“, so Winkens. „Das ging rasend schnell.“ Insgesamt setzt sich die Finanzierung aus 20 Prozent Eigenkapital und 80 Prozent Fremdkapital zusammen: zehn Prozentpunkte davon entfallen auf die Sparkassenbriefe, der Rest auf Darlehen aus eigenen und Fördermitteln. „Auch in Zukunft wird es Angebote für unsere Umwelt-Sparkassenbriefe geben, das ist eine schöne Sache, sichtbar und kundennah“, sagt Kai Winkens. Mehr noch: „Klimafreundliche Geldanlagen bieten die Chance auf Rendite mit gutem Gewissen, fördern eine ökologisch orientierte Zukunft und fließen in zukunftsträchtige Branchen.“ Die Stadt Heinsberg hat bereits weitere Flächen für Windparkanlagen ausgewiesen, die Genehmigungsverfahren laufen.

Logistische Höchstleistung

Die drei Tripsrather Windräder vom Typ Repower MM92 stehen 250 Meter auseinander, haben eine Nabenhöhe von 100 Metern (vom Fuß bis zum Maschinenhaus) und einen Rotordurchmesser von 92,5 Metern. Das ergibt eine Rotorenfläche von dreimal 6.700 Quadratmetern, was zweieinhalb Fußballplätzen entspricht. So werden jährlich 15 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, wie sie circa 4.000 (!) Durchschnittshaushalte benötigen. Das ist sehr viel und bedeutet eine Kohlendioxid-Einsparung gegenüber konventioneller Stromerzeugung von rund 13.500 Tonnen pro Jahr.

Für den Aufbau engagierte die BMR Windenergie diverse Firmen. „Diese alle perfekt zu koordinieren, erfordert logistische Höchstleistung“, so Geschäftsführer Guido Beckers, der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik ist. Am Anfang stehen der Bau der Montageplätze für den Kran und der Kabeltrassen. Es folgt das Fundament, auf dem ein Windrad steht, das 17 Meter Durchmesser misst, wofür 480 Kubikmeter Beton verarbeitet wurden. Nach einer umfangreichen Transportstudie werden dann stets nachts erst der monströse Kran in Einzelteilen, dann die jeweils vier Turmsegmente aus Stahlrohr angeliefert. Danach kommt das Maschinenhaus mit Getriebe, Generator, Schalt- und Steuerschränken. Im Fahrstuhl des Turminneren können zwei Menschen fahren. Am kompliziertesten ist die Anreise der Rotorflügel, da sie nicht zerlegbar sind. Der Kran zieht sie hoch, was bei Flaute zwei Tage, bei viel Wind bis zu einer Woche dauert.

Minutiöse Vorbereitung

Während des Aufbaus sind ununterbrochen Gutachter, Bauleiter, Monteure, Sicherheitsexperten dabei. Steht das Windrad, beginnt der Innenausbau, der etwa zwei Wochen braucht. Parallel dazu wächst die elektrische Infrastruktur aus kilometerlangen Leitungen. Alles entscheidend ist der erste Probebetrieb, die Windräder müssen Stress- und Extremtests bestehen, ehe sie nach zwei Monaten endlich einen kontinuierlichen Betrieb aufnehmen.

BWR-Geschäftsführer Guido Beckers ist äußerst zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Kreisparkasse Heinsberg, „ein Partner, auf den man sich verlassen kann. Wir planen gerade zwei weitere Windanlagen.“ Dann wird es bald noch mehr Autofahrer geben, denen der Anblick „ihrer“ Windräder ein Lächeln ins Gesicht legt.

Kai Winkens, Firmenkundenberater bei der Kreissparkasse Heinsberg, ist ökologisch und ökonomisch von Windenergieanlagen überzeugt.

 I6 Förderung von erneuerbaren Energien

Die Sparkassen leisten einen Beitrag zur Förderung der erneuerbaren Energien. Sie vernetzen Fachleute, Unternehmen und private Kunden in verschiedenen Projekten mit dem Ziel, die fachliche Kompetenz zusammenzubringen und für die Umsetzung der Energiewende nutzbar zu machen. Auf diese Weise konnte ein umfassendes Beratungsangebot für Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen in den Regionen geschaffen werden. Dazu gehört u. a. auch der Branchendienst S-Finanzgruppe Erneuerbare Energien.

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Ein System zur passgenauen Berichterstattung der Sparkassen-Finanzgruppe

Erkelenz

Die Kreissparkasse Heinsberg forciert die Energiewende

Mit einem Kreditvolumen von mehr als 122 Millionen Euro ist die Kreissparkasse Heinsberg der leistungsstärkste Finanzierer erneuerbarer Energien in ihrer Region. Bereits 2009 initiierte und finanzierte sie die „Bürgersolarstrom im Kreis Heinsberg e. G.“. Die Photovoltaikmodule, eine Investition von 1.373.100 Euro, wurden auf zwei Schulen und einer Straßenmeisterei errichtet.

Am 17. Februar 2014 eröffnete der Neubau der Hauptstelle in Erkelenz, die von der Europäischen Kommission als „green building“ zertifiziert wurde. Das 12.800 Quadratmeter große Gebäude berücksichtigt in großem Umfang Aspekte nachhaltiger Bauweise und liegt mit seinen Energiewerten 30 Prozent unter den Vorgaben der deutschen Energieeinsparverordnung. Die Klimatisierung erfolgt über Geothermie, die Beleuchtung leisten LED-Lampen und die Fassadenverkleidung ist aus Naturstein gefertigt, der aus der Eifel kommt. Die energetische Optimierung der 50 anderen Geschäftsstellen ist in Arbeit.

Als einer der größten Arbeitgeber im Kreisgebiet beschäftigt die Sparkasse Heinsberg 701 Mitarbeiter, darunter 53 Auszubildende. 2013 setzte die Sparkasse 1,4 Millionen Euro (inklusive der Stiftungen) zum Wohle des Kreises ein.

Der im Februar 2014 eröffnete Neubau der Hauptstelle in Erkelenz wurde als „green building“ zertifiziert.