Ehrenamt

Tag für Tag engagieren sich 31 Millionen Menschen für das soziale und gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland. Ihre Ideen, ihre Arbeit und ihre Hilfe sind in vielen Bereichen des Lebens in Deutschland unerlässlich. Die Felder, auf denen man auf dieses bürgerschaftliche Engagement trifft, sind sehr unterschiedlich. Dazu gehören Soziales, Schule, Kindergarten oder der Natur- und Tierschutz. 

Sport, Theater und Musik, Freizeit sowie Gesundheit sind weitere Felder, auf denen Ehrenamtliche beeindruckende Leistungen erbringen. Ohne die Tausenden von Stunden, die freiwillige Helfer in der Jugend- oder Seniorenarbeit, bei der freiwilligen Feuerwehr oder auch bei Wahlen leisten, wäre unser Land ein anderes.

  Kiel/Lübeck/Bargteheide

Kultur leben – Horizonte erweitern

Ehrenamtlich engagierten Menschen Anerkennung und Dank auszusprechen – das ist das Ziel des Deutschen Bürgerpreises, den die Sparkassen 2003 gemeinsam mit engagierten Bundestagsabgeordneten und kommunalen Spitzenverbänden ins Leben gerufen haben. Seither ehrt der Deutsche Bürgerpreis jährlich auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene herausragendes Engagement von Personen, Vereinen und Unternehmen. So zum Beispiel in Schleswig-Holstein. Hier wird der Bürgerpreis vom Landtag ausgeschrieben, gemeinsam mit den schleswig-holsteinischen Sparkassen. Medienpartner ist der NDR.

Ein Preis, der dabei hilft, immer wieder bewusst zu machen, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit in Deutschland ist.

Einmal im Jahr kommt im Haus des Sparkassen- und Giroverbands für Schleswig-Holstein im Faluner Weg in Kiel eine bunt gemischte Versammlung zusammen. Die Expertinnen und Experten aus dem Ehrenamtsbereich und zum jeweiligen Schwerpunktthema, die in den kommenden Stunden ihre Köpfe zusammenstecken, nehmen sich der schwierigen Aufgabe an, unter mehr als 60 beeindruckenden Bewerbungen „in Sachen Ehrenamt“ die besonders preiswürdigen in Schleswig-Holstein zu bestimmen. Gewissenhaft vorbereitet werden die Arbeitssitzungen von Mareike Kahlcke, die beim Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein den Bürgerpreis betreut.

So können sich zum Beispiel die Vertreterinnen und Vertreter vom Landesjugendring, vom Landessportverband oder dem Landesverband der Behinderten ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren: Sie wählen in den drei Kategorien „U21“, „Alltagshelden“ und „Lebenswerk“ die schleswig-holsteinischen Preisträger des Bürgerpreises aus. „Dabei lohnt sich das Mitmachen“, sagt Mareike Kahlcke. „Insgesamt werden Geld­ und Sachpreise im Gesamtwert von 32.500 Euro vergeben. Und: Alle Preisträger und Nominierten des Wettbewerbs erhalten ein professionell erstelltes Filmporträt über ihr Engagement.“ Entsprechend hoch sind die Bewerberzahlen, die in den vergangenen Jahren zwischen 60 und 100 lagen.

„Man weiß halt, man macht damit Menschen glücklich und wenn andere Menschen glücklich sind, bin ich auch glücklich.“ Wer so etwas sagt, muss es wissen und das tut Katharina Kolterjahn auch. Sie gehört zum Lübecker Verein Bücherpiraten, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Im Zentrum stehen dabei die „Lübecker Jugendbuchtage“ im eigenen Kinderliteraturhaus. Sie werden von den 12- bis 17-jährigen selber organisiert. Die Besucherzahlen sind beindruckend: Bis 1000 Besucher kommen zu der Veranstaltung, die sich – je nach Jahr – über fünf oder sechs Tage streckt. Neben Lesungen und Poetry-Slams finden auch Werkstätten für Kurzgeschichten statt. Die Jugendlichen kümmern sich dabei sowohl um die Inhalte als auch um die Organisation und das Sponsoring. Dazu schaffen sie es, Autoren, Schauspieler und Hörbuchsprecher als Vorleser zu gewinnen. Und: Das Engagement der Jugendlichen hat nicht nur in Schleswig-Holstein beeindruckt, sondern auch bundesweit. Die Bücherpiraten wurden bei einer großen Veranstaltung in Berlin auch zum „Ersten Preisträger des Deutschen Bürgerpreises 2015“gekürt.

 

Vielleser mit viel Anerkennung: Die Bücherpiraten aus Lübeck sind gleich zweimal ausgezeichnet worden.

 

 

 I22 Förderung Deutscher Bürgerpreis

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Sprachkenntnisse verbessern und Vorurteile abbauen – das Flüchtlingstheaterprojekt „Szol Ha“ wurde mit dem zweiten Platz bedacht.

Aber die jungen Literaturfans waren nicht die einzigen, die gleich zwei Mal – in Schleswig-Holstein und bundesweit – ausgezeichnet wurden. Das Flüchtlingstheaterprojekt „Szol Ha“ aus Rendsburg wurde mit dem zweiten Platz bedacht. Dabei spielen in dem Theater keinesfalls nur Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak mit, sondern auch einheimische Schauspieler. Das Projekt hat gemeinsam mit dem Landestheater Schleswig-Holstein das Dokumentationsdrama „Der lange Weg in die Freiheit und zurück“ über die Flüchtlingsthematik entwickelt und aufgeführt. Ziele des Projekts sind es, die Sprachkenntnisse zu verbessern, die Integration zu fördern und für Verständnis zu sorgen. „Dabei sollen auch Vorurteile abgebaut werden“, sagt der Schauspieler Ali Shahrabadi. „Es gibt Vorurteile und einige denken, wir wollen nur unsere wirtschaftliche Situation verbessern. Aber das stimmt nicht.“ Der junge Mann weiß, wovon er spricht: Er wurde im Iran zum Tode verurteilt. Vor seinem und dem Schicksal anderer Flüchtlinge erklärt sich auch der auffällige Name „Szol Ha“. Er kommt aus der afghanischen Sprache Paschtu und bedeutet Frieden.

Zu einem friedvollen Zusammenleben trägt auch das gemeinsame Musizieren bei. Eine, die sich dafür über viele Jahre engagiert hat, ist Hella Lorberg aus Bargteheide. Sie wurde mit dem Bürgerpreis in der Kategorie „Lebenswerk“ ausgezeichnet. Schon seit 1984 engagiert sie sich in vielen Einrichtungen. So ist sie Vorsitzende im Förderverein der örtlichen Kirchenmusik, rief das Netzwerk Bargteheider Kulturträger ins Leben und gründete die Kammermusikreihe „á la carte“ und die Bargteheider Stadtmusikanten für die musikalische Bildung von Kindern. Dazu sammelte sie Spenden in Höhe von 250.000 Euro, damit die Kirchenorgel restauriert werden kann und das Stadthaus Bargteheide einen Steinway-Flügel zur Verfügung hat. Die Frage nach dem Antrieb für die viele Arbeit kennt Hella Lorberg auch: „Man muss auch Harmonie und Schönheit fördern.“

Das selbstgesetzte Ziel des Deutschen Bürgerpreises ist es, eine Bühne für die zu sein, die sich für ihre Mitmenschen und ihr Lebensumfeld freiwillig einsetzen. Gleichzeitig ist er auch ein Spiegel für die Vielfalt und den Erfolg, den dieses Engagement schafft, weil immer mehr Menschen ehrenamtlich arbeiten. Im Jahr 2014 sind 43,6 Prozent der Wohnbevölkerung ab 14 Jahren freiwillig engagiert – das entspricht 30,9 Millionen Menschen. In den letzten 15 Jahren ist die Engagementquote um insgesamt knapp zehn Prozentpunkte angestiegen. Und: Eine Trendwende beim bürgerschaftlichen Engagement ist nicht in Sicht.

Hella Lorberg wurde mit dem Bürgerpreis in der Kategorie „Lebenswerk“ für ihr vielseitiges und jahrelanges Engagement ausgezeichnet.

Die drei Gewinner aus Schleswig-Holstein in einem filmischen Zusammenschnitt. Die ausführlichen Filmportraits finden Sie hier.