Bildungsinitiativen

Gut ausgebildete Menschen sind unabdingbare Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Angesichts demografischer Veränderungen ist in einer Industrienation wie der Bundesrepublik ein umfassendes und attraktives Bildungsangebot wichtiger denn je. Wer in unserer globalisierten Welt ökonomisch ganz oben mitspielen oder sogar den Ton angeben will, muss intelligente Köpfe haben. Doch die Zahl der Berufsanfänger sinkt. Deutsche Firmen tun sich immer schwerer, geeignete Fachkräfte zu finden. Außerdem setzt unser Bildungssystem mehr auf Gleichheit denn auf Einzigartigkeit. Das unterfordert viele begabte Kinder und Jugendliche.

Sie suchen nach Herausforderungen und sind auf private oder kommunale Bildungsangebote angewiesen. Diese kosten Geld, das nicht alle Eltern aufbringen können. Erschwerend für die Unternehmen kommt hinzu, dass junge Menschen zum Studieren inzwischen (durchaus aus Kostengründen) oft lieber ins Ausland gehen und somit auch für duale Studiengänge nicht verfügbar sind. Dabei sind es doch genau diese talentierten Heranwachsenden, die künftig unsere Gesellschaft gestalten werden. Sie sind die Zukunft. Wie lassen sich die herausragenden Nachwuchstalente unseres Landes angemessen fördern?

Norderstedt/Pinneberg

Kleine kluge Köpfe

In Bildung zu investieren, heißt, in die Zukunft zu investieren – diese Weitsicht ist Teil der Sparkassen-Philosophie. Viele Sparkassen-Stiftungen konzentrieren sich daher auf Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche. Die Stiftung der Sparkasse Südholstein engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in den Kreisen Pinneberg und Segeberg sowie seit 2005 in Neumünster auf besondere Weise – wie das Enrichment-Programm zur Hochbegabtenförderung zeigt. Eine Erfolgsgeschichte.

Spaß und Freundschaft stehen bei den Enrichment-Kursen im Mittelpunkt.

Tabea singt gern, oft einfach so vor sich hin. Das machen viele kleine Mädchen. Doch die zehnjährige Schülerin aus Norderstedt singt auf Chinesisch! Die Lieder kennt sie aus ihrem Enrichment-Kurs. Seit drei Jahren ist Tabea in dem Projekt zur Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher dabei. Finanziell und organisatorisch unterstützt wird es – neben vielen anderen Projekten der Bildung für nachhaltige Entwicklung – von der Stiftung der Sparkasse Südholstein seit 1999.

Hochbegabte brauchen Angebote

„Für uns ist dieses Angebot wirklich Gold wert“, sagt Tabeas Mutter Regina Nissen. Ihre beiden Mädchen sind hochbegabt und „unser Schulsystem ist darauf nicht eingestellt“. Die heute 14-jährige Tochter Rebecca hatte sich schon vor Schulbeginn selbst das Lesen beigebracht, langweilte sich in der ersten Klasse und wurde zur Außenseiterin. Sie sollte eine Schulklasse überspringen, wozu ein IQ-Test erforderlich ist. Der ergab, dass sie keine typische Einzelbegabung besitzt, sondern eine generelle. „In dem Moment ist immenser Handlungsbedarf gefordert, man muss diesen Kindern etwas anbieten, doch die Schulen scheinen damit überfordert zu sein“, so die Mutter.

Als ihre zweite Tochter Tabea mit gerade sechs Jahren in die Schule kam, wurde sie in ihrem Lerneifer ausgebremst. Eine Klasse überspringen wie ihre Schwester sollte sie nicht. „Das wäre keine Lösung gewesen“, so Regina Nissen, „weil die Sozialkompetenz noch nicht ausgereift ist.“ Deshalb waren die Eltern, beide Akademiker, dankbar für die Angebote des Enrichment-Programms, das auch vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein gefördert wird. „Dort können sie sich ausprobieren, die Welt in unterschiedlichen Facetten entdecken“, beschreibt die Mutter die Vorzüge. Die Kinder erleben ihre überragenden Fähigkeiten als positiv, nicht wie so oft als Grund für Ausgrenzung. Ihre Mädchen empfinden diese Angebote als Bereicherung, sagt Regina Nissen, die froh ist, „dass die Programme auch finanzierbar sind“. Begabtenförderung sei schließlich auch ein Kostenfaktor für die Familien.

Bildung für die Zukunft

In Bildung zu investieren heißt, in die Zukunft zu investieren – diese Weitsicht ist Teil der Sparkassen-Philosophie. „Wir wollen Schülerinnen und Schülern dabei helfen, ihre Neigungen und individuellen Fähigkeiten ohne Eingrenzungen zu finden und auszubauen“, beschreibt es Andreas Fohrmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Südholstein. Die gezielte Förderung ist auch deshalb so wichtig, weil hier kognitive und kreative Potenziale aktiviert werden, auf die unser Land in Zukunft in starkem Maße angewiesen sein wird. „Diese jungen und hochintelligenten Menschen werden künftig mitentscheiden, wie unsere Gesellschaft aussehen wird. Und wir leisten einen Beitrag dazu, dass sie sich zu starken Persönlichkeiten entwickeln.“ Das Programm sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Sparkassen ihre soziale Verantwortung mit Leben füllen. „Wir sind stolz darauf, dass unsere Hochbegabtenförderung weit über die Grenzen unseres Geschäftsgebietes hinaus hohe Anerkennung genießt“, so Fohrmann. Seit Beginn des Projekts 1999 haben 9.852 Mädchen und Jungen an 826 Kursen teilgenommen. Derzeit nutzen 1.162 Schülerinnen und Schüler der Klassen 2 bis 13 an die 84 Workshops.
 
Das Enrichment-Programm Schleswig-Holstein bietet äußerst begabten, interessierten und wissbegierigen Kindern und Jugendlichen – unabhängig vom Notendurchschnitt – außergewöhnliche Kurse in den Bereichen Kunst, Geschichte, Mathematik, Umwelt und naturwissenschaftliche Experimente. Es geht im Wortsinn um Anreicherung und Erweiterung. Angesprochen sind Heranwachsende, die beispielsweise über ein besonders gutes Gedächtnis verfügen, mit großer Informationsdichte umgehen können, hohes Lerntempo besitzen, sehr schnell verstehen und arbeiten, hervorragendes Verständnis für Zusammenhänge zeigen, zu besonders originellen Lösungen und Ideen fähig sind, hohe Sensibilität und Kreativität beweisen.

 I15 Förderung regionaler Bildungsangebote

Bildung ist eine unserer wichtigsten Zukunftsressourcen. Angesichts knapper öffentlicher Kassen und begrenzter Mittel für die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen engagiert sich die Sparkassen-Finanzgruppe überall in Deutschland für regionale Bildungsangebote, die die vorhandenen Potenziale der jungen Menschen aktivieren, differenzierte Zugänge zum Arbeitsmarkt für sie erschließen und deren Chance auf eine gute Lebensgestaltung sichern. Als gemeinwohlorientierte Institutsgruppe fördern wir darüber hinaus Aktivitäten im Bildungs- und Fortbildungsbereich, die zur Stärkung von wirtschaftlicher und sozialer Teilhabe befähigen und die Menschen aller Altersgruppen und Einkommensbereiche zugutekommen. Im Jahr 2015 wendete die Sparkassen-Finanzgruppe insgesamt 37,7 Mio. Euro für die Förderung regionaler Bildungsangebote auf. 20 Stiftungen der Sparkassen-Finanzgruppe fördern ausschließlich oder schwerpunktmäßig Bildungsprojekte und -initiativen.

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Neue Wege gehen

Methodisch sind die Kleingruppenkurse auf entdeckende und eigenständige Lernwege ausgerichtet, es geht nicht um Leistung, sondern um Spaß. In den Sprachkursen steht zwar die chinesische oder japanische Sprache im Mittelpunkt. Aber sie thematisieren auch die Landeskultur, Geografie, Historie und die künstlerische Seite der vielen Tausend Schriftzeichen. Bei Angeboten wie „Umwelt und Natur“ erkunden die Mädchen und Jungen komplexe Zusammenhänge in Flora und Fauna, erforschen sie mit Mikroskop, durch Wasserproben, Erduntersuchungen, Experimenten mit Elektrik und Chemie, dem Zerlegen von technischen Geräten, aber auch Ausflügen zu Ausstellungen oder Industrieanlagen. Entscheidend ist, dass hier Kinder und Jugendliche zusammenkommen, die gleiche oder sehr ähnliche Interessen sowie Denk- und Arbeitsweisen haben. 

Anderssein als Chance

Das ist Oliver Hopf aus Pinneberg besonders wichtig. Sein zehnjähriger Sohn Julian nimmt an „Faszinierende Wasserwelten“ teil und erlebt endlich, dass er keine Ausnahme ist. Hier gibt es viele Kinder, die so sind wie er selbst. Julians erste Schuljahre waren nicht leicht. Er erfuhr wenig Verständnis, wenn er in Mathe jede Lösung wusste, aber nicht erklären konnte, wie er darauf gekommen ist. „Er bekam schlechte Zensuren, obwohl wir zu Hause erlebten, wie er kinderleicht unglaubliche Fragen löste“, so Wirtschaftsingenieur Hopf. Hört Julian beispielsweise einmal ein Gedicht, kann er es fehlerfrei wiedergeben, ohne je den Text gelesen zu haben. Der Kleine zog sich zusehends zurück, tat sich schwer im Unterricht, obwohl sein IQ-Test überdurchschnittliche Begabung nachwies. Julian wurde für das Enrichment-Angebot empfohlen, wechselte die Schule. „Hochbegabung bedeutet nicht nur Glück“, so sein Vater, der heilfroh ist, dass es seinem Sohn nun besser und besser geht.

Freude und Freundschaft 

Obwohl viele der Kinder auch noch musikalisch und sportlich sehr aktiv sind, empfinden sie die Kurse nie als Last. „Robin will das von allein und wir lassen ihn gern“, sagt Chris Mandel. Selbst Lehrer für Sport und Biologie, allerdings heute als IT-Manager in Norderstedt tätig, sieht er seinen elfjährigen Mathematik-Überflieger „nicht als Genie“. Aber als einen Jungen, „der sich unglaublich ausdauernd konzentrieren kann“. Robin, Landesmeister im Geräteturnen, befasst sich nach physikalischen Experimenten nun mit Chinesisch, seine Kalligrafien hängen an der Küchentür. „Es geht nicht um Spracherwerb, sondern darum, das Gehirn zu trainieren, eine komplett andere Kultur kennenzulernen und Freunde zu finden, die ähnlich denken und fühlen“, sagt Chris Mandel.
 
Dies ist einer der Beweggründe für das Engagement der Stiftung der Sparkasse Südholstein. „Bevor wir starteten, gab es kaum Angebote für hochbegabte Kinder, also war es schwierig für sie, Freunde zu finden“, so Vorstandvorsitzender Andreas Fohrmann. „Mit den von uns finanzierten Kursen haben wir uns auf die Bedürfnisse dieser Kinder eingestellt.“